Schüler des Monats

13.01.2022

Interview mit Yazan

Schüler des Monats Jänner

P.K.: Ich interviewe heute Yazan, stellst du dich bitte kurz vor?

Y: Ich heiße Yazan Alzwin, gehe in die 1b und bin im Oktober 2015 nach Österreich gekommen. Weil in Syrien Krieg herrscht, sind wir nach Österreich geflohen.

P.K.: Kannst du dich an die Situation in Syrien noch erinnern? Wie war das damals?

Y: Einmal wurde eine Rakete geschossen, aber mein Opa hat uns rechtzeitig geholt. Ein anderes Mal ist das Militär zu uns nach Hause gekommen. Die Männer haben einfach angeklopft und wollten sehen, was es im Haus gibt. Sie haben alles mitgenommen, was sie finden konnten, auch Schmuck. Da mein Vater nicht im Drogengeschäft für sie arbeiten wollte, mussten wir mit einem kleinen Boot in den Libanon flüchten. Zuerst waren wir dort und danach einen Monat in der Türkei.

P.K. Wer ist da geflohen?

Y: Mein Vater, meine Mutter und mein Bruder.

P.K.: Kannst du mir etwas darüber erzählen, wie es in diesen Ländern war und was euch bei der Flucht alles passiert ist?

Y: Von der Türkei sind wir mit dem Schiff nach Griechenland gekommen. Dort haben wir eine Frau gefragt, wo es Züge gibt. Diese Frau hatte aber Angst und hat die Polizei gerufen. In Griechenland wollten wir auch auf ein Boot. Dort waren Aufseher mit Stöcken und wenn Menschen aufgestanden sind, wurden sie geschlagen. Meine Mutter wollte nur fragen, wo wir sind und sie wurde auf den Rücken geschlagen. Das tut ihr heute noch weh. Wir sind aber nicht nur mit Booten gefahren, dazwischen sind wir auch sehr weite Strecken gegangen. Auf der Flucht wurden einmal unsere Handys in einen Fluss geworfen. Zum Glück hatte mein Vater die Telefonnummern von meiner Oma und meiner Tante aufgeschrieben.

P.K.: Oje, das ist schlimm. Wie ist eure Reise denn weitergegangen?

Y: Von Griechenland aus haben wir Bosnien und Kroatien erreicht. Dort hat es zwei Busse gegeben, einen nach Deutschland und einen nach Österreich. Diese musste man bezahlen.

P.K.: Ihr habt den Bus nach Österreich genommen.

Y: Genau, dann haben wir einen Monat in einer Kirche gewohnt.

P.K.: Fällt dir noch etwas Interessantes zu Syrien ein?

Y: Auf jeden Fall! Wenn wir nach Syrien fliegen würden, dürften wir nicht mehr nach Österreich zurückkommen. Außerdem wäre es lebensgefährlich, denn sie würden uns fragen: ,,Warum seid ihr von Syrien weggegangen? Ihr seid Syrer!" Meine Großeltern und meine Tante leben aber noch dort. Mein Vater schickt ihnen jedes Monat Geld, denn Lebensmittel sind in Syrien sehr teuer.

P.K.: Abschließend möchte ich dich noch fragen, worüber du dich in Österreich am meisten freust? Was gefällt dir am besten? Wofür bist du dankbar?

Y: Ich bin sehr froh, dass es hier keinen Krieg gibt und dass wir uns das Essen leisten können.

P.K.: Lieber Yazan, ich freue mich, dass du nach Strasshof gekommen bist. Vielen Dank für das Interview.

Yazan als kleiner Bub